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Berlin vor und nach der Sanierung
Mietskaserne setzt neue Maßstäbe
Als Dr. Ralf Hemmen das Haus in der Karl-Kunger-Straße 3 in Berlin-Treptow zum ersten Mal besichtigte, war es in einem traurigen Zustand. Bröckelnde Fassade und Balkone, zugige Fenster, marode Leitungen – eine typische Berliner Mietskaserne, an der jahrzehntelang nur das Nötigste ausgebessert wurde. „Mit den Heizungsanlagen hätte man ein historisches Museum für Gebäudetechnik ausstatten können“, erinnert sich Hemmen. „Vom Kohleofen über Gas-Außenwandheizer bis hin zu Elektro-Nachtspeichergeräten war alles vertreten.“ Der promovierte Physiker sah dies als Herausforderung. Das heruntergekommene Haus sollte nicht nur zum schmucken Altbau saniert werden, sondern energieeffiziente Sanierungsmaßnahmen umsetzen, die auf andere Gründerzeithäuser übertragbar sind. Das Ergebnis: Der jährliche Energiebedarf wurde um 79 Prozent auf umgerechnet 5,1 Liter Öl pro Quadratmeter gesenkt. Kaum ein vergleichbarer Altbau benötigt so wenig Energie.
Möglich wurde die hocheffiziente Sanierung in einem Modellvorhaben der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) und mit einer Reihe von gut aufeinander abgestimmten Maßnahmen: optimale Dämmung von Dach, Fassade und Keller, Sanierung von Wärmebrücken, Einbau von Wärmeschutzfenstern und Umstellen der Heizung und Warmwasseraufbereitung auf Fernwärme aus einem besonders effizienten Kraftwerk, das Strom und Wärme zugleich produziert (Kraftwärmekopplung). Ein Solarkollektor übernimmt die Warmwasserbereitung im Sommer und unterstützt die Heizung zusätzlich. Eine Lüftungsanlage sorgt dafür, dass die Raumluft stets frisch ist und gleichzeitig die Wärme der Abluft zurückbehalten wird.
Über hohe Energiepreise müssen sich die Mieter jedenfalls keine Sorgen mehr machen. Und sie profitieren vom erhöhten Komfort, den energiesparender Wohnraum bietet – mit Frischluft ohne Fenster öffnen und behaglichen Temperaturen ohne häufig an Thermostaten drehen zu müssen. Die Warmmiete hat sich dabei kaum verändert, da die gesunkenen Heiz- und Warmwasserkosten den Anstieg der Kaltmiete ausgleichen. Ein Gebäudetyp, der einst für seine Einförmigkeit und schlechten Wohnbedingungen bekannt war, setzt jetzt neue Maßstäbe in Sachen Energieeffizienz und Wohnkomfort. Und der Bauherr hat sich eine renditesichere Altersvorsorge geschaffen. Denn die Wohnungen sind dank ihres hohen Wohnkomforts und den vergleichsweise geringen Nebenkosten auch in 20 Jahren noch auf dem Immobilienmarkt attraktiv.
Besichtigung und Führung am „Tag der Energiespar-Rekorde“
Dieses und viele weitere gute Beispiele der energieeffizienten Sanierung können beim zweiten bundesweiten „Tag der Energiespar-Rekorde“ der dena am 31. Mai 2008 besichtigt werden. Zwischen 10 und 17 Uhr können interessierte Besucher einen Blick in energiesparende Häuser werfen, von denen die meisten im Rahmen des dena-Modellvorhabens „Niedrigenergiehaus im Bestand“ hocheffizient saniert wurden. Bauherren und Architekten bieten Führungen an. Die Palette der zu besichtigenden Gebäude reicht vom Fachwerkhaus über das Einfamilienhaus der 60er Jahre bis hin zum Plattenbau und denkmalgeschützten Gebäuden. Das Modellvorhaben „Niedrigenergiehaus im Bestand“ wird unterstützt durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), der BASF SE, dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) sowie Kredite der KfW Förderbank. Weitere Informationen und teilnehmende Gebäude nach Regionen unter
www.energiespar-rekorde.de.
Daten und Fakten:
- Baujahr: 1907
- Wohnfläche: 1.312m²
- Wohneinheiten: 18 (5 Geschosse)
- Primärenergiebedarf: vorher : 250,62 kWh/m², nachher: 51,80 kWh/m²
- Jährliche CO2-Einsparung: 128 Tonnen
Die Macher:
- Bauvorhaben: SynErgion Energietechnik
- Ausführungsplanung und Bauleitung: Holzbär
- Hausplanungstechnik: Planungswerk
- Regionaler Partner der dena: IEMB/ EUMB
Pressekontakt: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), Kristina Zimmermann, Chausseestraße 128a, 10115 Berlin,
Tel: +49 (0)30 72 61 65-682,
Fax: +49 (0)30 72 61 65-699,
E-Mail: zimmermann@dena.de



