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Mit dem Energieausweis vom Altbau zum Niedrigenergiehaus - ein Praxisbericht

Berlin, 21. November 2007. Jetzt ist es amtlich: Mit dem Inkrafttreten der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV 2007) ist der Energieausweis auch für Bestandsgebäude vorgeschrieben, wenn diese vermietet, verpachtet oder verkauft werden. Allerdings gilt noch eine Übergangsfrist: Für Wohngebäude, die bis 1965 fertig gestellt worden sind, ist der Energieausweis bis zum 1. Juli 2008 und für jüngere Wohngebäude ab dem 1. Januar 2009 verpflichtend. Familie Wiegand aus Oldenburg hat den Ausweis jetzt schon genutzt, um ihren neu erworbenen Altbau umfangreich zu modernisieren.

Für Eva und Bodo Wiegand aus dem niedersächsischen Oldenburg war der Energieausweis ein wichtiger Schritt zu einem Eigenheim, in dem sie sich wohlfühlen können. „Unser Favorit war zunächst ein Neubau ohne herkömmliche Heizungsanlage“, sagt der frischgebackene Hausherr. „Nach längerer Suche haben wir uns jedoch entschlossen, das Haus meiner Eltern umzubauen.“ Den Ausschlag gab die gute Lage des Grundstücks. Das freistehende Einfamilienhaus mit rund 130 Quadratmetern Wohnfläche und einem Flachdach wurde im Jahr 1971 erbaut und musste dementsprechend energetisch saniert werden. Der Energieausweis bot die nötige Information und Unterstützung, um das Haus energieeffizient und ökologisch zu sanieren. Die hier aufgezeigten Ideen und Modernisierungsempfehlungen überzeugten sie. Mit Rat und Tat standen die Architekten und Energieberater Rita Fredeweß und Ulf Brannies der Familie zur Seite. Sie untersuchten das Haus, machten Verbesserungsvorschläge und dokumentierten alle Ergebnisse im Ausweis.

Auf Herz und Nieren geprüft

Familie Wiegand entschied sich dabei für einen bedarfsbasierten Ausweis „Er ist ein sehr guter Einstieg in die energetische Sanierung“, sagt Felicitas Kraus, Leiterin des Gebäudebereichs der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena). Im Gegensatz zur verbrauchsbasierten Variante beruht er auf einer technischen Analyse des Gebäudes und ermöglicht eine objektive, nutzerunabhängige Bewertung der energetischen Qualität.

Um der schlechten Energiebilanz des Hauses auf die Spur zu kommen, prüften die Energieberater das Gebäude zunächst auf Herz und Nieren. Ein Grundriss, die Baubeschreibung und eine Bestandsaufnahme lieferten ihnen Informationen über die Abmessungen der Bauteilflächen oder von Wand-, Dach- und Deckenkonstruktionen. 

Aber auch Daten zur Qualität der verarbeiteten Baumaterialien, der Wärmedämmung und zum Heizungssystem sammelten die Energieberater. Anschließend prüften sie einzelne typische Stellen am Haus, die sich oft als energetisch mangelhaft erweisen. Das begann im Keller, ging weiter mit Fenstern und Außentüren – bis hin zur Dämmsituation von Dachflächen und Außenwand. Insbesondere Wärmebrücken (wie z. B. die durchlaufende Stahlbetondecke des Balkons) mussten erkannt und beseitigt werden, um eine erfolgreiche Sanierung sicherzustellen. Die Energieberater berechneten die Wärmeverluste der einzelnen Bauteile. Sie deckten „Energielöcher“ auf und entwickelten Vorschläge für eine Modernisierung.

Schlechte Noten im Energie-Check

Das Haus der Wiegands wies gleich mehrere Schwachstellen auf: Die Heizungsanlage war veraltet und ineffizient, viel Wärme ging über die Außenwände mit den sichtbaren Stahlbetonstützen nach außen verloren und die undichten Fenster sorgten für unkontrollierte Wärmeverluste. Das gab eine schlechte Bewertung im Energieausweis: Mit einem Energiebedarf von 526 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr lag das Haus eindeutig im roten Bereich der Skala. Zum Vergleich: Ein Neubau benötigt maximal 120 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Die Energieberater schlugen den Besitzern mehrere Modernisierungsvarianten vor, die den Energiebedarf des Hauses und damit die Kosten unterschiedlich stark reduziert hätten. Die Wiegands entschieden sich für die komplette Sanierung des Hauses, um den energetisch bestmöglichen Standard zu erreichen:

Auf die Außenfassade wurde ein 18 Zentimeter starkes Wärmedämmverbundsystem aufgebracht, das Dach erhielt eine neue 26-Zentimeter-Dämmschicht und die Kellerdecke eine unterseitige 8-Zentimeter-Wärmedämmung. Ebenfalls ersetzt wurden die alten Doppelglasfenster – und zwar durch eine 2-Scheiben-Wärmeschutzverglasung. Ein neuer Brennwertkessel verbesserte die Energiebilanz zusätzlich: Die neue Heizung benötigt nun 30 bis 40 Prozent weniger Energie als die alte. Darüber hinaus liefert jetzt eine Solaranlage Energie für Warmwasser und unterstützt die Heizung. Für frische Luft im Haus sorgt eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die einen Luftaustausch fast ohne Wärmeverluste garantiert. „In Anbetracht der alten Bausubstanz war es sehr wichtig, ein ausgewogenes Gesamtkonzept für die Sanierung zu erstellen, damit es nicht zu Feuchteschäden, zum Beispiel durch Wärmebrücken, kommt“, erklärt Ulf Brannies. „Außerdem ist eine umfassende Sanierung auch immer ein Eingriff in die Gestaltung des Hauses. Hier galt es, den ursprünglichen Charakter zu bewahren.“

Durch die Modernisierung rückte der Energiebedarf auf der Skala des neuen Energieausweises in den grünen Bereich. Mit 93 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegt er jetzt sogar vor einem Neubau: "Der Energiebedarf des Altbaus ist damit um 20 Prozent niedriger als es die aktuelle Energiesparverordnung für Neubauten vorschreibt", sagt Brannies.

Insgesamt reduzierte sich der Energiebedarf für Heizung, Warmwasser und den Betrieb der Anlagen um circa 84 Prozent – und zwar von rund 100.000 Kilowattstunden auf rund 16.000 pro Jahr. Damit verringert sich der CO2-Ausstoß um fast 20 Tonnen pro Jahr. Dies entspricht den Emissionen eines Mittelklassewagens, der rund 100.000 Kilometer fährt.

"Wird die Sanierung sorgfältig geplant, können Altbauten einen besseren energetischen Standard als Neubauten erreichen", sagt Ulf Brannies. Allerdings muss hierfür zunächst investiert werden: Fast 110.000 Euro haben die Wiegands in die energetische Modernisierung ihres Hauses gesteckt. Eine Investition, die sich ungefähr nach 15 bis 20 Jahren rechnet – bei stark steigenden Energiepreisen vielleicht auch schon früher. "Die Amortisation ist stark davon abhängig, wie sich die Energiepreise entwickeln. Hauseigentümer können aber auf zinsgünstige Darlehen und Fördermittel der KfW Förderbank zurückgreifen." Auf jeden Fall kann Familie Wiegand weiteren Energiepreissteigerungen jetzt gelassener entgegen sehen.

Die Modernisierung kommt langfristig jedoch nicht nur der Umwelt und dem Portemonnaie der Wiegands zugute, die Familie profitiert zudem von dem hohen Wohnkomfort. "Alle Räume sind behaglich warm und es gibt keinerlei Probleme mit Schwitzwasser oder Wärmebrücken", sagt Eva Wiegand. Und die Modernisierung wirkt sich nicht zuletzt wertsteigernd für die Immobilie aus, denn ein Käufer muss in absehbarer Zeit nicht mit neuen Kosten für die energetischen Sanierungen rechnen und das Heizen bleibt auch bei steigenden Energiepreisen bezahlbar.

Bildmaterial steht für Sie zum Download bereit unter: Externer Link www.zukunft-haus.de/presse.


Informationen zum Energieausweis liefert die dena

Die dena bietet Mietern, Eigentümern, Fachleuten und anderen Marktteilnehmern umfassende Informationen zum Energieausweis. Zu ihren Angeboten gehören Flyer, Broschüren, Arbeitshilfen für die Aussteller von Energieausweisen sowie Informationsveranstaltungen. Begleitend zur Einführung des Energieausweises führt die dena zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und ihren privaten Partnern eine bundesweite Informationskampagne zum Energieausweis durch.

In der dena-Ausstellerdatenbank unter Externer Link www.dena-energieausweis.de/expertensuche können Verbraucher zudem schnell und bequem mit einer einfachen Suche über die Postleitzahl einen geeigneten Aussteller in der Nähe ihres Wohnorts finden.

Pressekontakt

Olga Kahre

Tel.: 030/726 165-769
Fax: 030/726 165-699

kahre@dena.de

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