Panorama

Niederlande sanieren Sozialwohnungen nach Baukastenprinzip

In nur acht Tagen Umbauzeit werden in den Niederlanden Häuser auf den Nullenergie-Standard gebracht. Währenddessen können die Bewohner in ihren Häusern wohnen bleiben.

Foto: Fabrice Singevin

Ganze Wohnviertel werden im Rahmen des nationalen Sanierungsprojekts „Stroomversnelling“ binnen kürzester Zeit saniert, sodass sie anschließend den Nullenergie-Standard erreichen. Das Prinzip ist auch unter dem Namen „energiesprong“ bekannt und wird gerade europaweit getestet und auf den Markt gebracht. Möglich gemacht wird die rasante Sanierungszeit von nur acht Tagen durch vorgefertigte Bauteile, die vor Ort nur noch montiert werden müssen.

Das Energiemodul steuert die gesamte Haustechnik

Weil nicht jedes Haus identisch ist, werden die Häuser einer Siedlung zunächst per 3D-Scanner erfasst, um anschließend die passenden Bauteile produzieren zu können. Die Reihenhäuser werden mit einer gedämmten Vorder- und Rückfassade versehen. Das Dach erhält außerdem Dämmauflagen mit integrierten Photovoltaik-Modulen.

Rund 60 Prozent weniger Energie verbrauchen die Häuser dank der neuen Fassade. Der verbleibende Bedarf wird durch das Herzstück des Sanierungsprojekts geliefert: das Energiemodul. Dieses an der Außenhülle angebrachte System enthält den Photovoltaik-Wechselrichter, die Hausbatterie, eine Wärmepumpe und den Warmwasserspeicher. Die Energie, die nicht durch Eigenerzeugung geliefert werden kann, wird durch das Stromnetz abgedeckt. Fossile Brennstoffe benötigen die Häuser nicht mehr.

Keine erhöhten Mietkosten nach der Sanierung

Angenehm: Die Bewohner können während der Sanierung im Haus bleiben. Für sie ändert sich finanziell nach dem Umbau nichts. Sie zahlen lediglich die Differenz zu ihrer vorherigen Energierechnung als eine Servicepauschale für die neue Haustechnik. Für die Wohnungsunternehmen amortisiert sich die Sanierung durch die verlängerte Lebensdauer und die gesunkenen Energiekosten.

Das von der niederländischen Regierung in Zusammenarbeit mit Wohnungs- und Bauunternehmen getragene Projekt hat bereits mehr als 250 Häuser per Baukastenmethode saniert. Bis Ende des Jahres sollen weitere 100 dazukommen.

Quelle: Meldung von Haufe