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Wie berechnet man die Wirtschaftlichkeit einer energetischen Sanierung?

Dass energetische Sanierungen Energie sparen, das Klima schonen und den Wohnkomfort erhöhen, ist weitgehend unbestritten. Diskussionen entfacht allerdings immer wieder die Frage, ob solche Sanierungen sich auch wirtschaftlich rechnen. Das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) untersucht, warum die Beantwortung dieser Frage oft Schwierigkeiten bereitet und worauf Privatleute bei der Kostenrechnung achten sollten.

Foto: unsplash / Milivoj Kuhar

Im aktuellen „Schlaglicht“ gehen die Autor*innen des IWU der Frage nach, welche Möglichkeiten es gibt, die Wirtschaftlichkeit einer energetischen Sanierung zu berechnen. Alles beginnt mit einer Grundrechnung, die im Kern ganz einfach ist: Für Privateigentümer*innen, die ihr Gebäude selbst nutzen, ergeben sich die meisten Kosten in Form von Investitionen und eventuellen energiebedingten Mehrkosten. Ersparnisse ergeben sich dadurch, dass Energiekosten gesenkt werden.

Doch die Wirtschaftlichkeit schlicht durch einen Vergleich von Kosten und Ersparnissen zu berechnen, ist in der Praxis oft schwieriger als gedacht. So können verschiedene Verfahren zur Berechnung einzelner Faktoren herangezogen werden, die letztendlich zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Oftmals müssen Parameter subjektiv festgelegt werden und Aussagen zu zukünftigen Entwicklungen – zum Beispiel zu Zinsen oder Energiepreisen – lassen sich nur mit gewissen Risiken tätigen.

Energieeinsparpotenziale – welche Berechnungsmöglichkeiten gibt es?

Um das Energieeinsparpotenzial möglichst realistisch zu berechnen, ist neben der sorgfältigen Dateneingabe die Verwendung eines geeigneten Energiebilanzverfahrens wichtig, so das IWU. Es gibt sowohl statische als auch dynamische Verfahren zur Berechnung von Einsparpotenzialen. Statische Verfahren wie die Energiebedarfsrechnung haben den Vorteil, dass die nötigen Daten leichter erhältlich sind, weil von standardisierten Rahmenbedingungen ausgegangen wird. Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass nur Gebäude von ähnlicher Qualität zum Vergleich genutzt werden. Dynamische Verfahren zur Energiebilanzberechnung sind meist sehr komplex, erzeugen aber auch recht detaillierte Modelle. Die Verwendung komplexer Rechenalgorithmen erfordert allerdings viel Zeit und birgt die Gefahr, dass Daten falsch eingegeben werden. Das gilt besonders für Berechnungen, die Bestandsgebäude betreffen.

Wirtschaftlicher wird’s, wenn Maßnahmen gekoppelt werden

Wer die Wirtschaftlichkeit von Effizienzmaßnahmen steigern will, sollte den Autor*innen zufolge besonders einen Weg gehen: energetische Maßnahmen zusammen mit Instandhaltungsmaßnahmen durchführen, die sowieso anstehen. Dieses Kopplungsprinzip gilt für die meisten Bauteile der Heizungsanlage und die Gebäudehülle. Bei der Berechnung der Kosten kann dann zwischen Mehrkosten für Energieeffizienzmaßnahmen und ohnehin anfallenden Kosten unterschieden werden, wobei nur erstere in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einfließen sollten.

Und Wirtschaftlichkeit ist nicht alles, mahnt die Publikation: Neben der Frage, ob sich Maßnahmen rechnen, sollten auch der gesteigerte Wohnkomfort durch energieeffiziente Gebäude, die Verlängerung der Lebens- oder Restnutzungsdauer und der Beitrag zum Klimaschutz bedacht werden. Besonders für Eigentümer*innen, die die Immobilie selbst nutzen, ergäben sich Vorteile, die nicht immer in harten Zahlen ausgedrückt werden könnten.

Hier können Sie das aktuelle IWU Schlaglicht herunterladen.