KOMMUNE

Quartierspeicher als Stromlösung für Kommunen

Dezentrale Energiespeicher könnten ein wichtiger Baustein für Kommunen bei der Umsetzung der Energiewende werden. In einem Pilotprojekt wurden alle Bauträger*innen eines Neubaugebiets zur Installation einer Photovoltaikanlage verpflichtet – gespeichert wurde der produzierte Strom in einem „Quartierspeicher“. Private Betreiber*innen sparen so Platz und technische Risiken, aber auch andere Gründe sprechen für diese Lösung.

Foto: Entega

In einem Neubaugebiet der Kommune Groß-Umstadt haben 25 Haushalte mit Photovoltaikanlagen in einem Pilotprojekt gemeinsam einen Batteriespeicher des kommunalen Energieversorgers Entega getestet. In dem Quartierspeicher wurde überschüssiger Sonnenstrom gespeichert, den die Haushalte nicht direkt selbst nutzen. Die 2017 eingeläutete Testphase wurde vom Forschungsprojekt Esquire unter Leitung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) realisiert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung begleitet. Nachdem sich der Speicher in der Pilotphase bewährt hat, soll nun im Juli ein permanenter Speicher in der Kommune installiert werden.

Enormes Zukunftspotenzial

Der neue Quartierspeicher bietet den Bewohner*innen der Kommune zahlreiche Vorteile. Da sie den Strom nicht selber speichern müssen, sparen sie Platz und gehen kein technisches Risiko ein. Außerdem bietet der zentrale Speicher im Gegensatz zum Heimspeicher rund ums Jahr die an den Verbrauch der Anwohner*innen angepasste Speicherkapazität. Er soll insgesamt 274 Kilowattstunden speichern, was für die Haushalte eine Selbstversorgung von 70 Prozent bedeutet.

Im Projekt wurde zudem untersucht, welche weiteren Möglichkeiten der neue Quartierspeicher in Zukunft bieten könnte, wie beispielsweise das Laden von Elektroautos anhand des überschüssigen Stromes. Bernhard Fenn, Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung bei Entega, geht davon aus, dass der neue Speicher bis zu zwölf Jahre genutzt werden kann. Darüber hinaus strebt er an, dass der produzierte Strom, der über den Eigenbedarf der Solarsiedlung hinausgeht, auf dem Strommarkt angeboten wird.

Nachbesserungen im Energiewirtschaftsgesetz notwendig

Die Ergebnisse des Pilotprojektes wurden im Anschluss interessierten Kommunen und kommunalen Energieunternehmen vorgestellt. Doch trotz des großen Interesses an der neuen Technologie könne das Potenzial von Quartierspeichern erst voll ausgeschöpft werden, wenn geeignete gesetzliche Rahmenbedingungen für Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen geschaffen werden, so Energieexpertin Swantje Gährs vom IÖW.

Eine interaktive Grafik sowie weitere Informationen zu Quartierspeichern und zum Projekt Esquire finden Sie hier.

Quelle:

Artikel auf der Esquire-Projektseite