POLITIK

Erneuerbare liefern mehr als die Hälfte des deutschen Stroms – mit etwas Nachhilfe

Im ersten Halbjahr 2020 bestand der deutsche Strommix zum ersten Mal zu über 50 Prozent aus Ökostrom. Die gute Nachricht wäre aber nicht ohne die Auswirkungen der Corona-Pandemie möglich gewesen.

Foto: Waldemar Brandt / unsplash

Insgesamt sank der Stromverbrauch in Deutschland in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 um 8,8 Prozent. Hauptgrund für die Reduktion sind die Einschränkungen des öffentlichen Lebens als Folge der Covid-19-Pandemie, aber auch eine etwas mildere Witterung als im Vorjahr. Erstmals lieferten dabei die erneuerbaren Energien mehr als 50 Prozent des verbrauchten Stroms und knackten so eine wichtige Rekordmarke.

Im ersten Halbjahr 2020 wurden insgesamt 138 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom erzeugt, rund 10 Milliarden mehr als im Vorjahr. Die Lockdown-Maßnahmen und der folgende wirtschaftliche Abschwung, die einen Rückgang im Energieverbrauch zur Folge hatten, schwächten vor allem die Kohle und stärkten die Ökostromquote.

Boom in Windkraft und Photovoltaik

Der mit Abstand stärkste Energieträger war dabei die Windkraft. Die Windstrommenge wuchs um 10  Prozent auf über 73 Milliarden Kilowattstunden. Damit stellt die Windenergie nicht nur einen größeren Anteil am Strommix als andere erneuerbare Energien – sie liegt auch vor Kohle, Erdgas und Kernenergie. Grund dafür war auch die Inbetriebnahme neuer Offshore-Windparks im zweiten Halbjahr 2019. Der weitere Ausbau wird allerdings derzeit durch die Pandemie behindert.

Weiteres Wachstum konnte auch der Solarstrom verzeichnen. Im ersten Halbjahr 2020 wurden mit 28 Milliarden Kilowattstunden knapp 3 Milliarden mehr Kilowattstunden erzeugt als im Vorjahreszeitraum. Sonnige Tage im Frühjahr 2020 sowie der Boom an Photovoltaikanlagen aus dem Vorjahr führten dabei zu neuen Solarstromrekorden.

2020: Jahr des geringen Stromverbrauchs

Nicht gewachsen sind die Stromerzeugnisse aus Biomasse und Wasserkraft, die auf dem Stand des Vorjahres blieben. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass je nach weiterem Verlauf der Corona-Pandemie der Stromverbrauch im Jahr 2020 insgesamt zwischen 7 und 12 Prozent geringer ausfallen wird als im Jahr 2019.

Quellen:

Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

Bericht Stromauskunft.de